GEMEINSAM WIRKMÄCHTIGKEIT VERGRÖßERN STATT GEFÄHRDEN!

Beschluss des 41. Landesjugendtreffens am 11.04.2026 in Erfurt.

Es reicht nicht, in der eigenen Suppe zu löffeln. Während Klasse als Kategorie
und Selbstverständnis kaum mehr vorhanden in der Gesellschaft ist, machen wir als
Verband vor allem eins gut: uns mit uns selbst beschäftigen. Dabei müssen wir als Teil
der demokratisch-sozialistischen Bewegung die Gesellschaft gegen unsere
Ausbeuter:innen in Stellung bringen. All die Menschen, die täglich von ihren
Arbeitgeber:innen ausgebeutet werden – ob im Großkonzern oder im kleinen
Familienbetrieb – oft ohne es zu wissen oder benennen zu können. Frauen, die den
Großteil der reproduktiven Arbeit schultern: unsichtbar, gesellschaftlich abgewertet
und meist ohne jede Entlohnung. Migrantisierte Menschen, die systematisch in
prekarisierten Sektoren gedrängt werden und dem Kapitalismus als Reservoir billiger
Arbeitskraft dienen. Sie alle – wir alle – werden vom kapitalistischen System
entmenschlicht, ausgebeutet und gegeneinander ausgespielt.
Es braucht die geeinte Kraft der sozialistischen Bewegung und den Willen der
Unterdrückten und Ausgebeuteten, um den Kapitalismus zu überwinden. In dieser
revolutionären Tat nehmen wir eine besondere Rolle ein.

Als Jugendverband sind wir ein Ort der politischen Sozialisation für junge Menschen.
Oft sogar der erste. Für sie sind wir nicht nur der erste Berührungspunkt mit linker
Politik und Praxis, sondern ein Ort, an dem sie die Wirksamkeit ihres Engagements
erlernen und erfahren können. Wir beschäftigen uns im Jugendverband mit Utopien, der
Frage was wir mit einer befreiten Gesellschaft verbinden oder was demokratischer
Sozialismus konkret bedeutet. Bei uns erlernen Schüler:innen, Auszubildende und
Studierende neue Konzepte und eigene Ideen auszuprobieren sowie Theorie und Praxis zu
verbinden. Sie lernen über politische Theorie, die Geschichte der
Arbeiter:innenbewegung und sind zeitgleich bei Demos, Blockaden, Besetzungen und
Stadtteilarbeit dabei. Sie knüpfen außerdem Kontakt zu Bewegungen, engagieren sich in
Bündnissen, lernen wie man die Menschen vor Ort in den vierteln organisiert und
lernen gute Verbindungen über der Partei hinaus aufzubauen.
Als parteinaher Jugendverband treten wir nicht direkt zu Wahlen an und haben deswegen
ein gesellschaftliches und weniger parlamentarisches Politikverständnis.
Wir wollen in die gesellschaftlichen Verhältnisse eingreifen und sind Plattform für
antikapitalistische und selbstbestimmte Politik. Wir verstehen uns als Teil
emanzipatorischer Bewegungen. Politische Bildung, der Eintritt in eine politische und
kulturelle Offensive von links und die politische Aktion stehen dabei im Mittelpunkt
unserer Tätigkeit im Jugendverband.

Zusammenfassend haben dieses Selbstverständnis und Tätigkeitsbereich nicht nur
mehrere Bundeskongresse beschlossen, sie sind auch in unserer Satzung, der Verfassung
unseres Jugendverbandes, formuliert.

Wir sind oftmals Erstpolitisierungsort – nach uns sind Genoss:innen in verschiedenen
anderen Strukturen aktiv und naturgemäß beschäftigen wir uns als Jugendverband damit
mehr mit Grundlagenarbeit als mit Spezialisierung. Diese Bildungsarbeit ist auch
teuer. Aber sie darf nicht als unwirksam abgestempelt werden. Als handlungsfähige und
gebildete Sozialist:innen sind wir geeint und gemeinsam für die Organisation
gesellschaftlichen Wandels weitaus wichtiger und wirksamer als vereinzelte Menschen
im Internet. Die Kontakte und Eindrücke, die wir durch unsere Bündnisarbeit
hinterlassen, wirken länger nach als die flüchtige Aufmerksamkeit im Netz – und genau
darin liegt unsere Stärke: Wirksam sind wir dann, wenn unsere Arbeit mehr
Sozialist:innen hervorbringt, die gesellschaftlichen Wandel organisieren können,
nicht als Produkt von Indoktrination, sondern als Ergebnis kritischen Denkens und
eigener Überzeugung.

Zur Realität gehört auch, dass wir als Verband unserem eigenen Anspruch – durch
Kampagnen, politische Aktion und Bündnisarbeit in gesellschaftliche
Kräfteverhältnisse einzugreifen – oftmals leider nicht gerecht werden.
Angesichts der Größe und der materiellen Möglichkeiten des Jugendverbandes ist dieser
Zustand nicht länger tragbar. Unsere Handlungsfähigkeit in diesem Bereich wird
zusätzlich geschwächt, wenn wir uns – wie derzeit auf Bundesebene zu beobachten –
durch unterkomplexe Beschlüsse und Statements spalten und zerstreiten und damit die
Finanzierung des Verbandes gefährden. Davon ist unser Landesverband noch weit
entfernt, und das soll auch so bleiben. Denn auf Bundesebene stellt sich die Lage
anders dar und das ist kein akzeptabler Zustand.

Insgesamt mangelt es an ausgebildeten Funktionär:innen, die länger im Verband wirken
und die großen Potentiale unserer Organisation zum Eingreifen in die
gesellschaftlichen Verhältnisse über politische und kulturelle Aktion nutzt.
Wir als Jugendverband haben eine Scharnierfunktion zwischen der Bewegung und der
Linken als Partei, und müssen zeigen, dass gesellschaftliche Veränderung nicht im
Parlament anfängt.

Wir arbeiten an der Veränderung des gesellschaftlichen Diskurses, denn ohne
gesellschaftliche Mehrheiten und kulturelle Hegemonie kann keine Partei erfolgreich
sein.
Wir erinnern unsere Genoss:innen in der Partei daran, dass eine sozialistische Partei
kein Wahlverein, sondern gesellschaftliche Partei sein bedeutet.
Eine Vision einer radikal besseren Zukunft und Hoffnung auf eine befreite
Gesellschaft.
Denn eine Bewegung, die nur in sich selbst kreist, verändert nichts – aber eine, die
die Gesellschaft organisiert, verändert alles.