Beschluss des 41. Landesjugendtreffens am 11.04.2026 in Erfurt.
Zalando plant die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt. Rund 2.700 Beschäftigte stehen damit vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes.
Der Konzern begründet die Entscheidung mit angeblich zu hohem Sanierungsaufwand und einer strategischen Neuausrichtung des europäischen Logistiknetzwerks.
Wir halten diese Begründung für vorgeschoben.
Zalando hat seit 2012 rund 22 Millionen Euro Fördermittel vom Land Thüringen erhalten und konnte seine Gewinne zuletzt stark steigern. Allein im Jahr 2025 wuchs der Umsatz um 16,8 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Trotz dieser wirtschaftlichen Stärke plant der Konzern nun, sich aus dem Standort Erfurt zurückzuziehen und tausende Beschäftigte zu kündigen.
Der zeitliche Zusammenhang ist dabei sehr auffällig. Kurz nachdem sich die Belegschaft gewerkschaftlich zu organisieren begann, für einen Tarifvertrag kämpfte und Warnstreiks durchführte, wurde die Schließung angekündigt.
Es ist offensichtlich, dass Zalando den Standort gezielt aufgeben will, weil sich die Beschäftigten zu organisieren begannen und das unter besonders schwierigen Bedingungen, da viele von ihnen als Leiharbeiter:innen beschäftigt sind.
Der Osten und seine Fördermittel wurde als Sprungbrett genutzt und nun, da die Menschen dort für ihre Rechte eintreten, einfach fallengelassen.
Besonders dramatisch ist die Situation für migrantische Beschäftigte, deren Aufenthaltsstatus an ihre Erwerbstätigkeit geknüpft ist. Für sie bedeutet der Verlust des Arbeitsplatzes nicht nur soziale Unsicherheit. Die Schließung und damit verbunden den Verlust des Arbeitsplatz, kann zur Abschiebung der Menschen führen.
Die Schließung des Zalando-Standorts in Erfurt ist natürlich kein Ausrutscher oder Einzelfall. Sie ist ein Symptom kapitalistischer Wirtschaftslogik: Profitmaximierung auf Kosten von Menschen. Ein Konzern, der Fördermittel der öffentlichen Hand in Anspruch nimmt, Rekordgewinne einfährt und gleichzeitig Beschäftigte entlässt, sobald diese sich organisieren, macht deutlich: Die Interessen der Beschäftigten und die Profitinteressen des Konzerns stehen in unauflösbarem Widerspruch.
Solange Beschäftigte keine echte Entscheidungsgewalt über den Betrieb haben – Über die Investitionen, Standortentscheidungen, Arbeitsbedingungen –, bleibt ihre Position strukturell schwach. Was in Erfurt passiert, wäre nicht möglich gewesen, hätten die Arbeiter*innen von Anfang an die Kontrolle über den Betrieb innegehabt.
Für uns ist klar: Das ist kein Fehler im System. Was bei Zalando in Erfurt passiert, ist keine Ausnahme. Es ist die Logik des Kapitalismus, die sich zeigt.
Deshalb kämpfen wir nicht um irgendwelche Korrekturen, sondern für eine Gesellschaft, in der Produktion nach Bedürfnissen und nicht nach Profiten organisiert wird.
Das bedeutet konkret, dass Beschäftigte nicht nur ein Mitspracherecht bei der Frage einer Schließung haben, sondern sie müssen die Entscheidungsgewalt über den laufenden Betrieb insgesamt erhalten. Über Arbeitszeiten, Auftragsvergabe, Investitionen und Löhne. Nicht als Ausnahme in der Krise, sondern als Normalzustand.
Und dieser Konflikt zeigt: Wenn Arbeiter:innen sich organisieren, bekommen Konzerne Angst. Das ist kein Zufall, sondern der Beweis, dass kollektive Gegenmacht möglich ist. Selbst dort, wo Leiharbeit, Prekarität und Sprachbarrieren gezielt eingesetzt werden, um Solidarität zu verhindern.
Zalando hat Angst. Ein Grund mehr, weiterzukämpfen.